SEO voice search

SEO Voice Search ist die Suchmaschinenoptimierung für Spracheingaben. Sprachbefehle erkennen Smartphones und Computer seit geraumer Zeit, ein Vorreiter war das Programm Siri, das erstmals im Oktober 2011 im iPhone zum Einsatz kam. Inzwischen (2017) gehört die Sprachsteuerung zum Mainstream, jedermann kann die Google-Suche gesprochen vornehmen.

Wie verändert die Spracheingabe die Suche?

Wir sprechen anders, als wir schreiben. Vor allem sprechen wir etwas mehr und setzen die Worte beim Sprechen in eine andere Reihenfolge als beim Schreiben. Nun sind moderne Spracherkennungsprogramme inzwischen so intelligent, dass sie uns größtenteils gut verstehen, was den Komfort der Sprachsuchen drastisch erhöht hat. Das ist insbesondere bei einer Suche über Smartphones sehr bedeutsam, denn hier ist das Eintippen nicht sehr bequem. Dementsprechend nutzen immer mehr Menschen Voice Searches, sie sprechen also ihre Suche ins Gerät. Seit dem Jahr 2015 – als Sprachbefehle auf allen Endgeräten zum Standard wurden – haben sich solche Suchen verdoppelt. Google führte die Sprachsteuerung im Browser Chrome schon 2013 ein, der Google-Mitarbeiter Gary Illyes bestätigte unlängst den rasanten Zuwachs an Spracheingaben. Er erwähnte auch nebenher, dass sich Online-Vermarkter dementsprechend Gedanken über ihre Suchmaschinenoptimierung machen sollten.

Was ist bei der SEO Voice Search zu beachten?

Mit der Sprachsteuerung werden andere Keywords bedeutsam. Der wichtigste Unterschied: Einzelne kurze Schlüsselwörter sind bei einer Spracheingabe weniger bedeutsam als Long-Tail-Keywords. Das ergibt sich aus dem anderen Kommunikationsverhalten beim Sprechen (siehe oben), wir sprechen nicht nur “Autohaus BMW Berlin” ins Smartphone, sondern möglicherweise: “Wo finde ich in Berlin ein BMW Autohaus?” Im Duktus der Sprachwissenschaftler ist das ein “semantisch natürlicher Monolog”. Der Suchende behandelt Google wie einen menschlichen Assistenten, dem man ja auch nicht nur einzelne Keywords an den Kopf werfen würde. Der sprechende Mensch nutzt im Gegensatz zum schreibenden Menschen anstelle von Keywords W-Fragen als ausformulierte Fragestellung:

  • Was suche ich?
  • Wo finde ich es?
  • Wann hat der Laden geöffnet?
  • Wie komme ich dorthin?
  • Wer berät mich?
  • Warum ist das so teuer?

Natürlich sprechen wir nicht so ordentlich gegliedert ins Smartphone, sondern würfeln unsere Worte auch noch durcheinander. Die Spracherkennung muss daher komplexe Aufgaben lösen. Anhand von Lauten soll sie Worte und ihren Sinn verstehen, außerdem muss sie Beziehungen und Zusammenhänge entschlüsseln. Das ist für die gängigen Programme Google, Alexa (Amazon), Siri (Apple), Cortana (Windows) und weitere eine große Herausforderung. Wer hierfür Suchmaschinenoptimierung betreibt, muss in jedem Fall das Sprachprogramm mit Long Tail Keywords unterstützen. Hierbei gilt wie bei jeder Suchmaschinenoptimierung, dass der Vermarkter nicht genau wissen kann, welche Keyword-Kombi am erfolgreichsten sein könnte. Er sollte also mehrere Varianten integrieren. Im beschriebenen Fall könnte das so funktionieren: Das Berliner BMW-Autohaus setzt auf seine Homepage und in Satelliten-Blogs, von denen aus verlinkt wird, mehrere Textbeiträge, die (am besten als Überschriften) die W-Fragen enthalten. Dabei sind Füllwörter erlaubt. Es muss dabei nicht allzu plakativ vorgegangen werden. Die Überschrift muss nicht glatt heißen: “Wo finde ich das Autohaus BMW in Berlin-Marzahn?” Stattdessen ist möglich, eine Überschrift als “Ihr Autohaus BMW in Berlin Marzahn: unsere Leistungen” zu formulieren. Der Google-Sprachassistent versteht das.

Wie bedeutsam ist SEO Voice Search?

Die Sprachsuche ist auf keinen Fall ein kurzer, vorübergehender Hype. Sie wird sich dauerhaft etablieren. Wer kann, der spricht ins Gerät. Eine Ausnahme ergibt sich höchstens, wenn eine Person in einer Gruppe steht und nicht möchte, dass jedermann die Suche mithört, oder wenn Menschen im Büro oder in hellhörigen Wohnungen permanent im Netz arbeiten und suchen, aber nicht den ganzen Tag unter Beobachtung vor sich hin sprechen möchten. Diese Suchenden bleiben in dieser Umgebung bei der getippten Texteingabe. Zu beachten ist also, dass Spracheingabe und geschriebene Eingabe von nun an auf ewig nebeneinander existieren werden. Die SEO muss beide Möglichkeiten berücksichtigen. Mit der Voice Search allerdings verändern sich auch die Suchgewohnheiten dauerhaft. Vermarkter dürfen das nicht ignorieren. Je nach Veränderung unserer Lebens- und Arbeitsgewohnheiten könnte die gesprochene Suche in fünf bis zehn Jahren vielleicht 60 %, vielleicht auch 80 % aller Sucheingaben ausmachen.

SEO-Tipps für Spracheingaben

  • Inhalte beantworten Fragen: Die mögliche Fragestellung muss wie beschrieben in irgendeiner Weise (idealerweise als W-Frage) in Form eines Long Tail Keywords enthalten sein, doch der Inhalt muss die gestellte Frage natürlich auch beantworten. Sonst wäre der gesamte Text unsinnig. Wer nun Texte verfassen lässt, sollte das Thema gut bedenken. Welche Fragen könnte die Zielgruppe zur Thematik haben? Diese Fragen lassen sich in einem How-to-do-Artikel beantworten.
  • Antworten sind präzise: Die Suche ist in der Regel nicht mit einem Sprachbefehl vorbei. Doch endlos viele Neben- und Untersuchen verwirren die Suchmaschine und den Nutzer. Präzise Antworten hingegen führen auf den Punkt und damit zur nächsten Fragestellung in der Form: Wo ist das BMW Autohaus in Bern? Wann hat das Autohaus BMW Maier Bern geöffnet? Wer ist der Serviceleiter vom Autohaus Maier in Bern? Sinnvolle Antworten identifiziert übrigens auch Google als hilfreich, die Suchmaschine belohnt solche Webseiten mit einem besseren Ranking.
  • Fremdwörter vermeiden: Menschen nutzen bei einer einfachen Sprachsuche eher selten Fremdwörter, außerdem sind die meisten Sprachprogramme (noch) nicht so weit, sie korrekt zu erkennen. Was in einem Text essayistisch und damit chic wirkt, ist für die Voice Search SEO ganz sicher hinderlich. Auch bürokratische Formulierungen sind übrigens nicht gefragt. Die Spracherkennungsprogramme sind darauf ausgelegt, Alltagssprache zu erkennen.
  • Voice Search SEO in der URL: Das ist nichts Neues. Die URL ist für die Suchmaschinenoptimierung höchst bedeutsam. Vormals hätte die URL also “Autohaus-BMW-Berlin-Marzahn.de” heißen sollen, jetzt kann sie “Wo-gibt-es-in-Marzahn-ein-BMW-Autohaus.blogspot.com” heißen. Solche URLs können wegen ihrer Einzigartigkeit in Verbindung mit einem wirklich oft genutzten Long Tail Keyword über Nacht auf Seite 1 ganz oben bei Google landen.
  • Nutzerfragen ermitteln: Auch das ist altes SEO-Handwerk. Google bietet unter anderem im AdWords-Keyword-Tool das Ermitteln von wirksamen Long Tail Keywords an. Spezielle Vorschläge für die Voice Search bietet der AdWords Keyword Planner allerdings (noch) nicht an – das ist der Stand im Mai 2017. Bislang müssen die Vermarkter mit der Suche nach Long Tail Keywords vorlieb nehmen.

Die Suchmaschinenoptimierung für Sprachsuchen ist eine junge Disziplin. Wer hierbei intelligent vorgeht, erlangt auf längere Sicht Wettbewerbsvorteile.